Portrait trifft Grafik

Aus dem Weser-Kurier:
„Porträt trifft Grafik“ heißt die neue Ausstellung in der Wallerie
Christiane Tietjen 18.02.2016

Die klarste Ansage machen Bilder in Schwarz-Weiß. Sie sind auf das Wesentliche reduziert, nichts lenkt den Blick ab von den Flächen, Linien und Formen. So auch bei der Ausstellung „Porträt trifft Grafik“ in der Wallerie, der Galerie im Walle-Center. Galeristin Delia Nordhaus hat mit einem Meisterstreich zwei sehr unterschiedliche Kunstformen unter diesem grafischen Ausdruck vereint. Da gibt es die dramatischen Porträts von Sophies Henker und die ruhigen, einem geordneten Muster folgenden Grafiken von Brigitte Walter zu sehen.

„Es beginnt meist mit einer Linie“, beschreibt Brigitte Walter ihre Arbeiten, „die ich mit Fineliner quer übers Blatt ziehe. Das bleibt dann auch die Ausrichtung des Werks, obwohl ich es während der weiteren Ausführung mehrmals drehe.“ Parallele Linien, Kreise, Punkte, schwarz gefärbte Flächen formen mit ihrem geometrischen Vokabular Muster, die zwar eine meditative Ruhe ausstrahlen, aber trotzdem spannungsreich sind. Immer anders sind die Grafiken, die sich auf dem weißen oder manchmal auch schwarzen Grund ausbreiten. Die in Berlin geborene Brigitte Walter ist Autodidaktin. Vor zehn Jahren zog sie „der Liebe wegen“, wie sie sagt, nach Bremen-Nord. „Ich habe schon immer gern gestaltet und gemalt“, erzählt sie, „aber mit der Farbe hatte ich es nicht so sehr.“ Die schwarz-weißen Grafiken sind für sie eine anregende Inspirationsquelle geworden, ganz besonders schätzt sie die beruhigende Wirkung während des Schöpfungsprozesses. Dann höre sie auch keine Musik, sagt sie.

Ganz anders bei Eike S. Wedemeyer, mit Künstlernamen Sophies Henker. Besonders wenn er Porträts von Musikern malt, geben ihm deren Songs den richtigen Schwung. Der martialische Name Sophies Henker ist den Galgenliedern von Christian Morgenstern entlehnt; es war der Name einer Punkband, in der Wedemeyer Gitarrist war. Sozialarbeiter von Beruf, lebt er als allein erziehender Vater von zwei Kindern in einem großen alten Haus in Scheeßel. Dort malt und werkelt er in seiner Freizeit, Zigarrenkisten-Gitarren, elektronisch verstärkt, zum Beispiel. Oder er schmiedet kurzerhand die Harpune von Käptn Ahab nach, beeindruckt von dem Film Moby Dick.

Bekannte Charakterköpfe sind die Lieblingsmotive für seine Porträts, die er gekonnt mit schwarzer Tusche aufs Papier wirft. Ganz intensiv ist der Blick, mit dem einen die Schauspieler, Musiker und Politiker ansehen. Es sieht aus, als habe Wedemeyer einen besonders lebendigen Moment des Ausdrucks eingefangen; das erscheint viel persönlicher und aussagekräftiger als eine Fotografie.

Gerade will ein Ehepaar die Konterfeis von den Blues-Brothers Jake und Elwood kaufen. Die beiden habe er schon mehrmals porträtiert, sagt Wedemeyer. Aber auch Klaus Kinsky als Nosferatu, Bob Dylan und Keith Richards beeindrucken – beide mit Begleittext eines ihrer Lieder. „Es sind meist ältere Gesichter, die mich ansprechen“, erklärt der Porträtist. Und so sieht man bekannte Schauspieler wie Gerd Fröbe, Manfred Krug und Horst Tappert genauso wie große Musiker und Politiker. Bei einem Besuch im Walle-Center findet man vielleicht in der großen Auswahl der Persönlichkeiten seinen eigenen Favoriten.

Musik: Uli Meyer aus ROW