Telephone Microphone

Ich muss gestehen, ich kam mir unheimlich kreativ vor, als ich beim Aufräumen ein altes, grünes Telefon mit Wählscheibe gefunden hatte und mir dabei dachte: „Hey, daraus baue ich mir ein Microphone!“

Mittlerweile weiß ich, dass diese Idee ewig uralt ist und noch älter und sogar der Schlagzeuger einer bekannten bayrischen Deutsch-Pop-Kapelle benutzt so ein Microphone in orange.
Besonders bekannt und beliebt sind solche Mikrophones in der Blues Harp (Mundharmonika) Szene. Mitlerweile habe ich viele umgebaute Telefonhörer gesehen und auch die Blues Harp Mikrophones verfügen wohl über ähnliche Elektrik und kommen optisch einem kleinen Elvisrasierer (Slang für eine bestimmte Art von Mikrofonen) schon recht nahe.

Ich selbst habe es leider nicht so sehr mit Elektrik und Physik, weiß aber, dass ein Lautsprecher und ein Mikrofon technisch im Prinzip das gleiche sind, mehr oder weniger. Es gibt eine Membran, welche die Schwingungen bzw. Schallwellen aufnimmt bzw. abgibt.
Beim Telefon musste ich feststellen, dass sich der Lautsprecher im Hörer als Mikrofon viel besser eignete, als das eigentliche Mikrofon im Hörer. Dies mussten wohl auch viele andere Musiker feststellen, denn wenn man sich diverse Videos im Netz anschaut, stellt man immer wieder fest, dass die Musiker in den Lautsprecher eines Hörers singen bzw. spielen. Warum das so ist, weiß ich nicht, aber vielleicht kann das jemand mal in die Kommentaren posten – DANKE!

Ich persönlich fand es besonders lustig, mein „Telephone Microphone“ wie einen Telefonhörer nutzen zu können, daher habe ich die elektronischen Bauteile einfach ausgetauscht im Hörer. Technisch ist das Ganze recht einfach und kann von jedem Laien ausgeführt werden, einfach beide Kabel an die Klinkenbuchse löten – fertig!

Als Tom-Waits-Fan muss ich jedoch gestehen, dass ich noch lieber über ein kleines Megafon „singe“, anstatt über mein „Telephone Microphone„. Der Hörer hat auch den Nachteil, dass man sehr dicht mit den Mund rangehen muss und man dabei leicht den Überblick über das Griffbrett seines Instrumentes verliert.

Galgenbruders Lied an Sophie, die Henkersmaid
Christian Morgenstern (* 6. Mai 1871 in München; † 31. März 1914 in Meran)

Sophie, mein Henkersmädel,
komm, küsse mir den Schädel!
Zwar ist mein Mund
ein schwarzer Schlund –
doch du bist gut und edel!

Sophie, mein Henkersmädel,
komm, streichle mir den Schädel!
Zwar ist mein Haupt
des Haars beraubt –
doch du bist gut und edel!

Sophie, mein Henkermädel,
komm, schau mir in den Schädel!
Die Augen zwar,
sie fraß der Aar –
doch du bist gut und edel!

Anmerkung

Strophe 1
Sophie ist des Henkers Töchterlein. Außerdem aber hieß Sophia stets Weisheit. Der zweite Sinn ist demnach folgender: Gib mir deinen Gnadenkuß, o Weisheit! Zwar wird mein Mund immer nur Worte der Finsternis stammeln – „doch du bist gut und edel“.

Strophe 2
Des Haars: nämlich der natürlichen schützenden Hülle jugendlicher Illusionen.

Strophe 3
Wenn dir die Weisheit in den Schädel schauen soll, mit andern Worten, wenn du dich selbst erkennen willst, so muß dir vorher die Augen für das, was du bisher deine Welt genannt hast, der Aar, das heißt der Geist des Zweifels, aufgefressen haben. Das „zwar“ ist lediglich „rhetorisch“. Es müßte eigentlich etwa so heißen: Das Aug sogar / bracht‘ ich dir dar / denn du bist usw.

Quelle: www.Christian-Morgenstern.de